Aus dem Leben

  • Hi

    Hallo ich bin Richard und möchte hier meine Kunst veröffentlichen, die ich mit Hilfe eines Computermalprogrammes produziere. Ich habe eine Infantile Cerebral Parese und male und schreibe leidenschaftlich gerne, um mich auszudrücken.

    Italien 2020
  • MadenFuß

    MadenFuß

    Der Fuß

     eines Wichts

     ist zerfressen

     von der Gicht.

    Nun

     hat er es schwer

    mit dem laufen

    um den Schmerz

    zu betäuben,

    kann er jetzt

    nur noch eines:

    Saufen!

  • Der graue Mann

    Nebelschwaden ziehen auf.
    Ich bin Trübe drauf.
    Die Frage, ob der Nebel verzieht,
    und die Sonne irgendwann wieder scheint,
    beantwortet mir der Schemenmann, der mir ein Geheimnis verriet
    Ich muss nur nach vorn schauen und schreiten.
    Jetzt, wenn sich Strahlen des Lichts über mich ausbreiten,
    wird mir klar, was er hat gemeint..

    RP.

  • Sei Veränderung

    „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“, sagte einmal der indische Anwalt Mahatma Gandhi, der ohne Gewalt für die Rechte aller Menschen kämpfte.
    Wenn ich nachdenke, welche Veränderung ich in der Welt sein möchte, dann komme ich zu dem Schluss, dass ich Menschen in meiner oder ähnlichen Lebenslagen helfen und Mut machen möchte, dass sie mit schwierigen Momenten im Leben umgehen können. Das unbedingt mit einer gehörigen Portion Humor und der Fähigkeit, über sich selbst lachen. Deswegen habe ich auch mein kleines Buch „ Hurra, ich bin da!“, geschrieben, für das ich leider immer noch keinen Verlag gefunden habe. Dabei hat es sehr viel Spaß gemacht, mit meinem Assistenten mein junges Leben zu reflektieren und die lustigsten, traurigsten oder nachdenklichsten Fragmente herauszupicken, um den Leser hoffentlich auf eine Reise in meine Welt mitzunehmen, an die er sich noch lange erinnern kann und sagt: „Das war schön!“

    Denn ich möchte die Veränderung sein, die für schöne Momente in dieser dunklen Welt sorgt.

    Rp

  • Das Korn

    Es war einmal ein Huhn. Der Name war Erika und eines Tages fragte es sich, was nun.

    Tag ein, Tag aus sah sie, wie andere Hühnerköpfe zur Erde niederfuhren und sich wieder freudig hoben. „Was zum Gegacker ist denn da auf Bodenhöhe?“, dachte es dann nicht selten, während Erika die verschwommenen Silhouetten ihrer Artgenossen musterte. Wenn Hühner wüssten, was eine Milchglasscheibe war, würde Erika ihre Sicht auf die Welt in etwa mit einem Blick durch eine solche Scheibe beschreiben. Aber da das nicht der Fall war, fragte sie ihre beste Freundin Ilse: „Warum senkt ihr immer zu die Häupter und macht eure Schnäbel stumpf?“

    Die kleinen runden Äuglein ihrer Freundin wurden groß und gar der Schnabel klappte auf. Doch Erika sah nur verschwimmende braune Schlieren. Mit erregter Stimme rief Ilse da: „Das ist jetzt nicht dein Ernst! Wir müssen doch etwas auf die Rippen bekommen. Da ist doch kein Wunder, dass du aussiehst, wie dünnes Astwerk. Mich würde es nicht wundern, wenn dich Herbert bald hier rausfischt und zu einer schönen Brühe köchelt!“ Ich als Erzähler kann nur vermuten, dass dies der korrekte Wortlaut war, da mir die Sprache der Hühner nicht geläufig ist.

    Was aber sicher war, war, das Bauer Herbert zur selben Zeit mit seiner Frau Ulrike beim Mittagstisch saß. Die Stirn der beiden war zerknittert, wie die Zeitung, die auf Herberts Lesesessel lag. Er wäre lieber noch eine Weile darin versunken, als sich mit solchen lästigen Fragen zu beschäftigen, aber wenn die Frau rief: „Es gibt Essen!“, dann musste man Folge leisten. So ist mal wieder Federvieh Erika Thema, die Herbert doch am Herzen lag, jedoch aussah wie „Gerippchen Unsterblich“ und keine vernünftigen Eier legte. „So kann es nicht weitergehen Schatz. Wir müssen wirtschaftlich denken und da müssen unsere Tiere vernünftige Eier legen. Da hilft auch nicht, dass du Erika mit der Hand aufgezogen hast“, legte Ulrike wütend los und schob sich schnell Rotkraut zwischen die Lippen, um nicht weiter zu schimpfen, denn sie merkte, dass ihr Mann auf dem Meer der Unsicherheit schwamm.

    Er konnte seine geliebte Frau ja verstehen, aber dieses kleine gelbe Lebewesen über die Schwelle des sicheren Todes zu heben, nachdem er es mit der Hand aufgepäppelt hatte, war nicht einfach gewesen und jetzt sollte er Erika aufgeben? Nein, das war einfach nicht fair und vorstellbar. Das versuchte er seiner Frau mit blumigen Beschreibungen, von den schönsten Momenten, die er mit seiner Erika gehabt hatte, zu erklären. Aber je mehr Heile-Welt Bilder erzählt wurde, desto heißer wurde der Vulkan in Ulrikes Inneren und als ihr Mann schließlich geendet hatte, brach er aus: „Ich glaube, du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.“ Mit diesen Worten stand sie auf und irgendetwas sagte Herbert, dass seine Frau in den Henkermodus geschaltet hatte. „Das kannst du doch nicht machen Röschen. Nicht meine Erika!“, jammerte er.

    Doch es half nicht. Ulrike stand vom Tisch auf und ließ ihre Suchscheinwerferaugen durch den Raum gleiten. „Du bist doch völlig verblendet. Damit ist jetzt Schluss! Wo ist denn jetzt meine Brille?“, murmelte sie. Im inneren Herberts fanden Gebete statt, obwohl er nie am Abendbrottisch die Hände faltete, wenn seine Frau in sich ging. Vielleicht war das jetzt die herbe Retourkutsche des Herrgotts, denn sie fand ihre Brille und wenig später auch das Hackbeil. Die Frau stampfte zur Haustür und sagte noch: „Heute Abend gibt es Hühnerbrühe!“, dann fiel die Tür ins Schloss und in der anschließenden Stille schlüpfte ein jammerndes: „Erika vergib mir!“, aus Herberts Kehle. Doch Erika ahnte noch nicht, dass sie bald an die Himmelspforte klopfen würde. Sie philosophierte immer noch warum ihre Artgenossen den Kopf Richtung Boden strecken. War dies nicht ungesund für Kopf und Hals. Auch ihre Freundin Ilse übertrieb maßlos. Bauer Herbert war doch ihr Vater, der immer für sie da war. Sie hörte es rumpeln und scheppern und Ilse rannte auf sie zu, wie sie an der aufgeregten Stimme ihrer Freundin erkannte, während eine braune Schliere auf sie zu kam: „Oh nein!, was habe ich eben noch gesagt! Ulrike kommt mit Henkerblick und Beil. Erika! Du muss da weg und zwar schnell. Ich versuche sie abzulenken.“ Mit diesen Worten entfernte sich das verschwommene Braun wieder. Diese Aufregung verstand das Huhn ganz und gar nicht. Sie wollte doch einfach hier sein und nachdenken. Plötzlich erblickte sie dann einen graubraunen Berg, der schnell auf sie zu kam und donnernd rief: „Da bist du ja. Gleich gibst du eine herrliche Hühnerbrühe ab!“ Dann schrie dieser Berg und stürzte zu Boden. Die ganze Erde erzitterte und Erika wurde ein wenig in die Luft geschleudert. Flatternd kam sie wieder auf die Erde und spürte etwas unter ihren Füßen. Es war ein bisschen unbequem und sie verlor fast den Halt. Erika hüpfte ein bisschen zurück und blickte zum Boden.

    „Was ist denn das?“, fragte sie sich. Das war der Moment, in dem das blinde Huhn das erste Mal die Welt mit klaren Augen sah. Denn sie blickte durch eine Brille, die Ulrike von der Nase gefallen war. Dies wusste das Huhn natürlich nicht. Aber was sie durch die Brille sah, war ein Korn, dass gelb und wohlriechend sich anbot, aufgepickt zu werden. Ulrike war indes wieder auf den Beinen und wollte schon nach dem Federvieh greifen und sah, dass das blinde Huhn pickte und fraß wie ein normales Huhn. „Vielleicht ist das doch nicht so ein dummes Huhn, wie ich gedacht habe. Manchmal muss man vielleicht nur abwarten. Mal sehen.“ Mit diesen Worten schnappte sie sich ihre Brille und das blinde Huhn war wieder blind. Aber es war noch ein Huhn und keine Hühnerbrühe.

    Rp

  • Person im Profil

    gemalt Richard P:

  • Das vergessende Lächeln

    Die Maske fällt.
    Zum Vorschein kommt ein Lächeln,
    dass jedem gefällt!

    Doch unter Umständen, fragt man sich,
    wer ist denn das?
    Habe ich etwas verpasst?

    Wenn die Bedeckung,
    dann wieder sitzt,
    kommt die Erkenntnis, dass man einen neuen Freund besitzt.

    RP

  • Laufen lernen

    Ich war mal in Kur, weil meine Mutter eine Auszeit brauchte und ich nicht allein Zuhause bleiben konnte. Früher, als minderjähriger Richard war dieses Vorhaben noch einfacher realisierbar. Da besuchten wir Mutter Kind Kuren. Mutter konnte mich professionellen Therapeutenhänden überlassen und sich dann selbst erholen. Diese Therapiestunden haben meinen kleinen Körper seeehr gut getan und das hat dann auch ein paar Wochen angehalten. Aber sobald man die Schelle zum Erwachsenwerden überschritten hat, gibt es für den Körper nur noch schwer eine Möglichkeit in den Jungbrunnen zu hüpfen und vor allem nicht so, dass man in einer solchen Einrichtung sicher ist, dass man ausreichend versorgt wird. Denn wir ahnten schon, dass ich, wenn ich allein in eine Kureinrichtung mit meinen Ansprüchen an Pflege und Therapie ging, ich das Zimmer oder sogar das Bett nur selten verlassen konnte, weil keine pflegenden Hände in der Nähe waren.
    Durch Zufall rief dann eine nette Dame einer Kureinrichtung an, dass wir noch ein Bett für meine Mutter dazu buchen könnten gegen einen täglichen Aufpreis, was wir zähneknirschend annahmen, um überhaupt mal rauszukommen. Meine erschöpfte Begleitung und ich landeten schließlich in einer nebelverhangenen Stadt auf einem Hügel, auf dessen Spitze eine neurologische Rehaklinik thronte. Dort wurde ich dann in Phase C eingeteilt, was für meinen Hilfebedarf eigentlich noch zu gering war, ich aber für die Phase B, in welcher Komapatienten oder schwere Schlaganfälle behandelt werden, war ich geistig zu fit. Trotzdem hatte ich das Gefühl ein Gefängnis zu betreten, nicht zuletzt deswegen, weil ich schon bald mitbekam, dass die Patienten auf der Station nur selten das Außen sahen, wenn sie sich nicht selbst helfen konnten. Das Pflegepersonal war an ihrer Belastungsgrenze und flitzte regelrecht von Zimmer zu Zimmer. Fertigten die Bewohner in Höchstgeschwindigkeit ab, wobei häufig die Freundlichkeit auf der Strecke blieb. So wurde ein junger Mann, der ungefähr in meinem Alter war und auch eine ähnliche Körperverfassung wie ich besaß, regelmäßig angeschnauzt, wenn er den Urin nicht angehalten hatte. Sogar ich wurde einmal unwirsch gefragt, was ich außerhalb der Stadion machte, als meine Mutter und ich Essen waren, weil ich Geburtstag hatte.

    Trotz der seltsamen Behandlungen durch das Personal, fühlte ich mich das erste Mal bei den Therapieeinheiten richtig verstanden und lernte meinen Körper richtig kennen. Die Zeiten waren leider viel zu kurz. Ich hatte gerade den Rollstuhl verlassen, da waren die 15 Minuten auch schon um und ich musste zur nächsten Einheit.

    An den Wochenenden und an den Abenden, gab es dann Programm, wie Konzerte, Malkurse und Gottesdienste. An einen dieser Gottesdienste musste ich jetzt wieder denken, als es mir nicht gut ging. Ein junger Mann spielte Klavier und erzählte von seiner Arbeit in Indien, wo er mit Kranken und Sterbenden zu tun hatte.
    Er sagte mit gutmütigem Blick: “ Eines ist klar: Ein Leben ohne Leid gibt es nicht. Das kann uns Gott nicht nehmen. Was er aber uns Menschen gibt, ist die Kraft wieder aufzustehen und Laufen zu lernen. Dabei ist nicht gemeint, dass die Beine funktionieren und der Körper wieder gesund wird. Innerlich sollte man sich wieder aufrichten. Dabei ist auch jedes Jammern, schreien und klagen erlaubt. Auch wenn man nur noch kriechen kann, ist das wunderbar. Aber für liegen bleiben und sich aufzugeben, ist das Leben zu kostbar. Gott und viele andere Menschen sind bei uns auf dem Weg des Leidens und des wieder Laufen Lernens. Man ist nie allein.“

    An diese Worte musste ich in letzter Zeit oft nach meiner Corona Infektion denken. Nun humpele ich wieder. ich bin froh drüber

    R.Pfund